Eigene Texte

1 Wundermantel

Da stehe ich, auf der Bühne, am festlichen Abend, dem Höhepunkt der Künstlertagung.
mit einem Pappkarton.

Gerade erst habe ich noch einmal hastig meine Stichwörter memoriert; an den Fingern
festgemacht: Diakonie, Mantel, Ausstellung, Venedig.

Erst vor 10 Minuten fiel mir ein; dass ich ja eine Geschichte zu erzählen habe: Meine Mantelgeschichte. So unwahrscheinlich, dass sie nur im Leben passieren kann.

Sie beginnt 14 Jahre zuvor:

Schon den ganzen Herbst und Winter hindurch hatte ich nach einem schönen, warmen
Wintermantel für mich gesucht. Ich wusste, wie er nicht aussehen sollte: Kein Blau,
kein Schilfgrün oder Mint, Mauve oder Rose, kein blasses Beige, keine schreiende
Farbe, keine Raglanärmel, Wiener Nähte oder angekrauste Schultern, kein Koller, nicht
die A-Linienform … ; gefühlt hunderte von Mänteln jeglicher Machart und Mode der
letzten 30 Jahre hatte ich mir angesehen und immer wieder die Diakonieläden, Caritas-
und Rotkreuzkleiderstuben durchgekämmt (Secondhand fiel durch, weil schlichtweg
unerschwinglich), weiterhin zwei Jacken übereinandergezogen und einen Schal
umgewickelt. Mein Wintermantel war einfach nie da. Leider den ganzen Winter lang.

Es wurde Frühjahr, Märzanfang bis ich den einen, meinen fand: Gute Farbe, mit Revers,
schlicht und aus sehr sehr schönem Stoff: Kaschmirvelours, das heißt, eine samtartige,
sanft glänzende, streicheiweiche Oberfläche. Cashmir von Piacenza, dem italienischen
Kaschmirspezialisten, dessen Label in Kleidungsstücke aus seinen Stoffen noch extra
eingenäht wird und von dem ich nur wusste, weil ich in einer geschenkten VOGUE
einmal eine Anzeige von ihm gesehen hatte – und der Mantel von Max Mara, dem
Modeimperium. Karamellfarben, sagenhaft weich wie eine Kuscheldecke, eine, die man
zudem. noch überall dabei hat; wo ich doch immer Angst habe, frieren zu müssen

Da hing doch tatsächlich eine echte Preziose mitten in der Kleiderkammer des Roten
Kreuz – ein wirklich edles Teil fürs Leben; ein Klassiker. Auf so etwas zu treffen, so
etwas zu finden, wie wundervoll! Mein neuer Mantel!

2

Als ich darin – Ende März wurde es nochmal richtig kalt, so konnte ich mein
Prachtstück auch ausführen – zu meiner Galeristin Uta (der einzigen, die ich je hatte) zu
einer Ausstellungseröffnung kam, sagte sie schon beim Öffnen der Haustür: „OH
Renate, du siehst SEHR reich darin aus.“ Dieser Satz war nicht wirklich bei mir
angekommen, aber es war jedesmal so eine Freude für mich, diesen Mäntel zu tragen,
den ich mir neu niemals hätte leisten können; selbst mit dem zehnfachen Einkommen
wäre es mir nicht eingefallen, bei Max Mara einzukaufen, bewegen sich doch dessen
Mäntel eher im vierstelligen Bereich.

Weil im Innenfutter über der Gehfalte ein kleiner Riss war, hatte ihn jemand
weggegeben. Darüber konnte ich jubeln und jedes einzelne Mal, wenn ich ihn anzog,
war es ein besonderes Gefühl, dieses wunderschöne Stück zu tragen: magisch, als hüllte
ich mich in ein Märchengewand.

Mir war nicht wirklich klar, dass. alle Welt annahm, ich schwömme im Geld, schließlich
kämpfte ich so vor mich hin: Ums Überleben als bildende Künstlerin, die eigensinnig
immer weiter ihre Bilder macht und sich immer wieder anhören muss, dass „die Zeit
dafür wohl noch nicht gekommen ist“, die jedes Jahr gerade noch so über die
Untergrenze des geforderten Mindesteinkommens der Künstlersozialkasse kroch, die
Gottseidank einen Ausweis für die „Tafel“ hatte und eine Bleibe und Ralf, den Freund
meines Bruders, der meinen 900 Euro- Volvo zum Selbstkostenpreis – so etwa alle
acht, neun Wochen – wieder zum Laufen kriegte.

Sehr kurzsichtig wird man davon, wenn man jeden Cent dreimal umdrehen muss.
Immerhin profitierte ich ja rundum vom Überfluss unserer Verschwendungsgesellschaft
in Bezug auf Haushaltsbedarf, Ernährung und Bekleidung – naja, ohne Unterwäsche –
halt, nein, EIN MAL tauchte doch tatsächlich ein neuer, noch mit allen Preisschildchen
versehener zartgrauer Spitzenbody von La Perla auf!

Also ich war der Meinung, alles meiner klugen Einsatzstrategie der Wertschöpfung,
Materialkenntnis, Selbstschneiderei- und Handwerkserfahrung und meinem guten,
geschulten Auge und Urteil zu verdanken. Über diese Gaben und Fähigkeiten war ich
nicht froh und beglückt, nein, ich sah mich nur als Einzelkämpferin mit Buttermesser
ununterbrochen kämpfend in einem Dschungel, in dem ich eben eine Machete gebraucht
hätte.

Das ging solange, bis ich auf Einladung einer Stiftung zwei Monate in Basel leben und
arbeiten konnte und dort prompt meine schwarze Schurwolljacke vom Fahrrad verlor.

 

3

Ich war erst zwei Ecken weiter als ich es merkte, aber: die Jacke war perdu, einfach
weg! Kleidung ist in der Schweiz sehr teuer, also dachte ich: Die hat sich jemand
schnell gekrallt und: Ich krieg ja in „meinen Boutiquen“ (Zitat Uta) schnell wieder
eine … Pustekuchen; keine, die mir gefallen konnte, tauchte je auf.

Das gab mir endlich zu denken und ich hörte verwundert tatsächlich einmal hin, als eine
Freundin zu mir sagte:“ Renate, du bist so ein reicher Mensch, du siehst es bloss nicht.“
Einen Gärprozeß brachte sie in Gang, der darein mündete, dass ich mich fragte, wie es
wäre, wenn ich mir vornähme, alle unguten Erfahrungen, gezwungenermaßen
angeeigneten Fähigkeiten und alles durch meine finanzklamme Situation unfreiwillig
erworbene Wissen auf die Habenseite meines Lebens zu buchen: Als genaue
Menschenkenntnis, als vielfältiges Können und als reiches Wissen.

Da konnte ich meine Trauer, so wie man etwa ein hauchzartes Batisttaschentuch fallen liesse, endlich einfach los- und entlassen.

Mein wunderwunderschöner Mantel aber begleitete mich viele viele Jahre.

Eine Fellmütze aus einer ehemaligen Hamsterweste nähte ich mir passend dazu- echte arme

kleine, zuckersüße Hamster mit ihrer so wunderhübsch schwarzbraunen, karamellfarbeneu und

weißen Fellzeichnung. Nun, sie waren schon tot und ich habe sie gewürdigt und ihre Pelzchen

nachhaltig verwendet, mitsamt etwas schlechten Gewissens.

Ich erstand ein gleichartiges Fellfutter aus einem Herrenmantel, auch im Rotkreuzladen,

das ich umdrehte und bei Eiseskälte und Schneetreiben außen drübertrug. Das war
optisch nicht mehr zu übertreffen – naja, wenn ich so zurückdenke: Zwei russische

Windspiele und ein Pferdeschlitten hätten das ganze komplettiert, meine Hermitage

jedoch war eine Doppelhaushälfte im Schwäbischen, davon ließ ich mich aber nicht

abhalten meine „Alexeja- Romanowa- Robe“, wie ich mir – sehr leise – zuflüsterte, zu

tragen. „Vissi d‘ Arte“ , eben (das wurde mal übersetzt mit: „nur der Schönheit weiht ich mein

Leben … „)

Also, wir beide, mein Mantel und ich, waren viele, viele Jahre ein Traumpaar – nur dass

ich mit der Zeit auf Grösse 40 abnahm und er blieb, was er war: ein fantastisches Stück

in Grösse 44. Es kam unaufhaltsam der Tag, an dem ich einsehen musste, mein

Wundermantel ist mir schlichtweg zu groß.

Eines Novembers konnte ich mich an einer von Künstlern kuratierten Ausstellung
beteiligen. Das Thema war: „Laterne, Laterne“; passend zur Jahreszeit. Mein Vorschlag bestand aus zwei Lichtkästen: Je ein Körperabdruck seitlich in knieender Haltung, mit
Asche auf Papier ausgeführt und mit Öl getränkt, wie japanische Landschaftsmalerei
anmutend, zarte Berge und Täler in feinen Strukturen auf durchscheinend milchigem
Untergrund; auf opakem Plexiglas unsichtbar befestigt – warm leuchtende Lichtobjekte.
Als ich mich nach dem Platz, der für meine Arbeiten vorgesehen war, umsah, fiel mir
eine Mitausstellerin auf: Etwas wirre Haare, dicke Strickjacke, Figur genau Größe 44 –
da beschlich mich ein Verdacht: „Die könnte für meinen Mantel die Richtige sein.“
Nach Austausch erster Höflichkeiten tastete ich mich vorsichtig vor, die richtigen Worte suchend. Ich erzählte ihr wie mir mein schöner Mantel – den ich anhatte – leider nicht mehr gut passe, auch nicht mehr ganz so glanzvoll sei; die Ärmel ein kleinwenig
abgestoßen. Ob ich ihr eine Freude damit machen würde; ich hielte schon eine Weile
Ausschau nach der richtigen Person.

Sie war überrascht, freudig und hat den Mantel dann tatsächlich gleich zur Vernissage
angehabt. Ich erfuhr da, dass sie und ihr Mann noch Kunsterzieher sind (und ‚Wusste
plötzlich, für einen winzigen Sekundenbruchteil, nicht mehr genau, ob nach meinem
Gebet: „zeig mir die richtige“ ich mich nicht vielleicht doch verhört hatte … ?) .

Nein. Sie hat sich so gefreut: Sie war schon Mrs. Right für mein Prachtstück.

Ein gutes dreiviertel Jahr später war ich dem Menschen begegnet – auch eine
unwahrscheinliche Geschichte, statistisch gesehen wird man mit 57 eher von einem Zug
überfahren als da noch dem Mann fürs Leben in den Weg zu stolpern – tatsächlich dem
Menschen, der mit mir und mit dem ich sein will.

Wir sind miteinander zur Biennale nach Venedig gereist – für einen, der sich nie
wirklich mit Kunst beschäftigt hatte, absolut Kaltwasser.

Also, wir lustwandeln spätnachmittags nach immensem Kunstgenuss, der sich in den
Gärten und Länderpavillons und weiträumigen Hallen der Arsenale darbot, in der
schmeichelweichen Septembersonne Richtung Hotel. In Luftlinie etwa vom
Eingangsportal der Arsenale Richtung Markusplatz, nur eben nicht vorne am Wasser,
sondern parallel dahinter. In einiger Entfernung grüßt ein Kirchturm.

Beim Näherkommen sehe ich davor, mitten auf dem Platz, einige übervoll behängte
fahrbare Kleiderständer und weiß sofort: das bedeutet Kleiderkammer.

Vornedran am Allerersten – ich traue meinen Augen nicht – da leuchtet ein helles
Karamellbraun, kuschelmuschelweich und wunderwunderschön. Revers, Blazerschnitt,Kaschmir von Piacenza, Mantel Max Mara. Exakt mein Märchenmantel – in meiner Größe, 40.

Worte stürzen aus meinem Mund; ich versuche, Kurt die Geschichte zu erzählen und
gleichzeitig in den Mantel hineinzukommen. ich bin so aufgeregt dass ich mich nur
verhasple, während mir brühheiß vor Glück ist.

Ich stürze mit dem Mantel ins Untergeschoß, in den Raum, wo die Frauen sitzen, die die
Kleiderstube betreuen, überschütte sie mit meiner Freude, versuche mit Händen und
Füßen und mickrig wenig Italienisch von dem Wunder zu erzählen, exakt den gleichen
Mantel in meiner neuen Größe wieder zu finden – in einer Kleiderkammer! Zwei, drei
der mithelfenden Damen umringen mich und versuchen meine übersprudelnde Freude
zu verstehen, meine Worte zu übersetzen. Ich bezahle die 10 Euro und schwebe hinaus.
Keine Ahnung was ich sonst noch anhatte; ich habe den Wundermantel drübergezogen.
Im milden Septembersonnenschein bin ich wie im Traum neben meinem Mann den
ganzen Weg ins Hotel zurückgegangen und fühlte mich wie eine Glückskönigin.
Staunend, staunend.

„Meine schnell gebastelte Bühnen- Dramaturgie lässt jetzt doch etwas vermissen“,
merke ich und ich ziehe ENDLICH den Mantel aus dem Pappkarton, schlüpfe hinein, freue mich mit allen und gehe ab – nein, stopp, ich sage noch:

„Auf dem Zettel, der in der Kleiderkammer neben der Ausgangstüre hing, da stand:
Ausgabe wohltätiger Kleiderspenden für jedermann nur Dienstag 14-18 Uhr. Gemeinde
von San Martino in Sestiere Castello, Venezia“‘.

„Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind … ?“ Der.

3.7.2011 münchen friedenskirche der emk, vortrag:

meine praxis als freischaffende künstlerin,

mein weg zum thema reichtum, den eigenen reichtum finden –

1.

1956 geboren, nach realschule, am gymnasium, sagte mein kunstlehrer zu mir ich hätte eine ausgesprochen grafische begabung – nach einer absolut unergiebigen berufsberatung ging ich also auf die freie kunstschule, angewandte grafik studieren. daneben aquarell, collage, zeichnung – von dem ich mir nicht getraute was vorzuzeigen – höchstens 2,3 ausgesuchte bilder am semesterende.

als ich fertig war mit dem studium stellte ich fest daß ich für eine werbeindustrie nicht arbeiten wollte, die die seele antastet um ihre produkte zu verkaufen.

ich heiratete. meine ehe war ein geschützter raum, in dem ich 3 kinder zur welt brachte.

als ich mit 29 jahren die diagnose „unheilbar krank“ bekam fragte ich mich endlich: was willst du mit dem rest deines lebens anfangen? die antwort war: malen! davor habe ichs immer verschoben auf urlaub und: „wenn ich dann mal zeit habe-„

meine krankheit hat mir 3 wichtige dinge gezeigt:

  1. diese zeit muß ich mir selbst nehmen, zugestehen!
  2. von den menschen die mich be – verurteilen übernimmt keiner auch nur eine stunde meines lebens
  3. es ist nicht gottes wille; daß ein mensch in der ehe verkümmert.

 

1995 habe ich mich getrennt, später scheiden lassen. ich habe ein leben als freischaffende malerin begonnen. ich begann mit stilleben, dann landschaft, dann kam ich zum menschenbild, wo ich eigentlich schon immer hinwollte: porträts, akt. dann die abdrucke- als zeichen existenzieller auseinandersetzung mit dem menschenbild. meine erste arbeit war eine geburt; die geburt christi.

 

mit und – von der kunst zu leben, heißt praktisch:

ich habe mir einen einkaufsschein für die schwäbische tafel geholt, schon vorher hatte ich viele kleider auch für die  kinder und haushaltsgegenstände auf dem flohmarkt oder über kostenlose inserate gekauft, z.b. einen kühl – und einen gefrierschrank, effiizenzklasse a+, wo die in der tafel gekauften sachen hineinfinden.

ich habe mir regeln aufgestellt-

trinke grundsätzlich wasser, selten saft und gerne mal wein

schlichte küche – die arme leute küche aller länder ist gesund und lecker! z.b.reis mit gemüse (mein geflügeltes wort war 4 wochen kartoffeln mit butter und 1x in die oper) natürlich ist es schon phantasievoller, was ich koche – aber: qualität statt quantität.

nicht essengehen, nichts „trinken gehen“. größere anschaffungen über anzeigen- gebraucht, gute qualität. mein auto ist 18 Jahre alt – ein freund meines bruders wartet es. fahre ich längere strecken, setze ichs ins internet- so bekomme  ich z.b.,wenn ich nach berlin zu meinen inzw. erwachsenen kindern fahre, das benzingeld durch 3-4 mitfahrer.

geh ich aus dem haus, habe ich immer eine wasserflasche bei mir,evtl. apfel  oder brezel (aus dem gefrierschrank ;von der „tafel“ zu 20 cent.)

bin ich auf dem wertstoffhof – schau ich in den schrott – container: habe meinen schönsten eisenleuchter; meinen gartentisch und einen bronzegong von dort

bauschutt – container : übertöpfe

bin ich auf dem aufüllplatz (baum-heckenschnitt) gibts immer pflanzen, die jmd. wegwirft- und holz-stämme zum zersägen um im winter den zusatzkaminofen zu betreiben. manchmal sogar deko- tannen- oder eibenzweige vor advent- magnolienzweige. da kann ich von meinem schatz verschenken. einmal habe ich 2 überglücklichen alten damen die gerade gefundenen orchideen vermacht.

 

2 ehem. kinderzimmer vermiete ich meist halbjährlich an praktikanten – bosch, porsche, daimler und homecomp. haben meine daten, nach anfänglichen großen ängsten suche ich mir leute aus, die das schön ausgestattete haus wertschätzen. erfahrung lehrt auch da,

vor 2 wochen habe ich einer 75-jähr. freundin die treppe mit rutschfesten fliesen belegt, ich streiche wände, schneide obstbäume – habe auch schon künstlerische fliesengestaltung gemacht; meine kenntnisse vom selbstbauhaus kommen mir da zugute. einen streikenden rolladenkasten habe ich aufgeschraubt und geschaut, wie ich den gurt wieder gewickelt kriege – das plexiglasvordach am haus ausgetüftelt, gebohrt  und mit meinem sohn montiert, viele haushaltstätigkeiten und begrenzte handwerkl. fähigkeiten – umgang mit bohrmaschine, flex und stichsäge, mit rohrzange und  schraubenzieher lassen sich erlernen – das ist wertschöpfung.

z.b. selbstschneidern habe ich mir schon zu beginn meiner ehe beigebracht, ichverändere gern gefundenes.

 

schmuck mache ich mir – aus flohmarktfunden oder wegwerfmaterialien -.z.b. getrocknete passionsfruchthälften mit silber verarbeitet- ich wurde oft gefragt, ob ich auch so was verkaufe, bis ich es endlich gemacht habe-

 

vor 2 wochen habe ich mir einen herzenswunsch erfüllt und aus 2 abbruchhaus-sandsteinen 2 katzen mit flex und hammer und meißel gestaltet.vors haus gesetzt.

 

kreuze aus acrylglas habe ich begonnen, als mein früherer mann starb. ich wollte ihm etwas schönes mitgeben, ich hab im eins auf die urne gelegt:

meine eigentliche künstlerische arbeit – die mit abdrucken- und zeichnen ist mir am wichtigsten. nach 30 jahren zeichnen mit dem bleistift habe ich zeichnungen mit teppichmesser oder mit der bohrmaschine in plexiglas gemacht.- es ist immer wieder das material, das mich reizt – seine gestaltungsmöglichkeiten, seine begrenzungen die man achten muß, damit was gescheites dabei rauskommt.

 

2

–  letzten satz nochmal vorlesen!

ich denke, es ist bei mir selbst genauso-

ich habe lange nur mein unvermögen gesehen – eben nur die schwierigkeiten, mit denen ich zu tun hatte. oft empfand ich mich als unbeholfen und begrenzt, im vollen wortsinn. so als hätte ich immer eine zu kurze decke, ein küchenmesser wo ich eine machete gebraucht hätte, eben nicht alles, um erfolgreich oder ausdauernd genug zu sein für die wege die ich  an anderen bewundert und beneidet habe. lange habe ich z.b.nach galeristen gesucht.- für meine abdrucke, die ich  als besondere kunstform sehe. lange habe ich mich für stipendien beworben- sicher nicht oft und nicht konsequent genug. habe mich dann lieber in meiner kunst verkrochen, himmelhoch jauchzend und zu tode betrübt.

 

vor 2 jahren hat mich ein zeitungsinterview beeindruckt: ein stuttgarter pommesbudenbesitzer hatte berichtet, daß er immer seinem erfolgreichen bankerbruder nachgeeifert habe – er sei dem erfolg hinterhergerannt. erst als er stehengeblieben sei, hätte ihn das glück einholen können.

 

wenn ich immer um mich schaue, kann ich nicht wirklich das wahrnehmen was ich bekommen habe.

wenn ich lerne mich zuerst zu achten und zu lieben

und nicht zuerst aus der liebe die ich anderen gebe meine be – friedigung  zu ziehen,

bin ich da, wo jesus sagt: liebe deinen nächsten wie dich selbst.

 

wenn ich meine begrenzungen achte, also das, was ich als unvermögen sehe, annehmen lerne und zur selbstakzeptanz komme, verstehe ich erst ganz und recht, wie sehr mein gott mich liebt. erst da kann ich sehen wie reich ich bin.

 

erst dann kann ich wirklich sehen was er mir alles gegeben hat. wie er mich in so vielen bereichen beschenkt; manchmal empfinde ich es so: er beschenkt mich wie ein liebhaber seine geliebte.

 

ich bin reich.

 

z.b.reich an erfahrung –

so vieles was nicht geglückt ist, alles was ich nur als zerbruch erlebt habe, als nichtgelingen – habe ich immerhin durch – und ausgestanden. ich habe es be- und verarbeitet. lange hatte nur das bewußtsein des überlebens – des sich gerade-noch-rettens wie auf meinem linken großen bild. das bild geht auf eine geschichte von harriet beecher – stowe zurück, sie war methodistin. sie hat das buch: onkel toms hütte geschrieben, heute ein kinderbuchklassiker-

da beschreibt sie in einer szene wie eliza, die junge sklavin, mit ihrem neugeborenen kind flüchtet – die hunde sind schon hinter ihr, als sie die grenze, die der zugefrorene fluß bildet, ereicht. doch es hat getaut – sie springt in ihrer todes verzweiflung von eisscholle zu eisscholle, das kind bei sich bergend, über den fluß bis ans rettende andere ufer.

das war der anlaß zu diesem bild.

 

vor kurzem kam mir folgender gedanke: wenn ich mir das, was ich bewältigt habe auf mein habenseite buchen könnte-

nicht nur als – defizit von dem was ich von meinem mein leben erwartet habe: erfolg als belohnung nach mühen, gesundheit als natürlichen dauerzustand, lebensplanerfüllung – also, wenn ich in dem was mir als schwerem begegnet ist nicht allein das  defizit  sähe – dann sähe ich einen reich- tum – ohne bitterkeit.

 

das andere bild zeigt eine königin in ihrem reich. geschmückt, festlich gekleidet-

hinter ihr geht die sonne auf; ihr schein überstrahlt sie. das detail auf der linken seite, das was sie aus ihrer rechten hand losläßt, ist ihr bisheriges erfahren, ihre immer unerfüllten überreichen unrealistischen erwartungen, dieses ihr armutsdenken-  sie läßt es los.

 

auch in meinen zeichnungen erreiche ich nur im weglassen, im zurückgehen auf meine empfindung leichtigkeit und klarheit

 

3

mir hat einmal jemand erzählt er habe einen freund, einen italiener. der sagte ihm, als er jammerte, was alles er sich nicht leisten könne: du hat zu essen, jeden tag. und du hast ein dach über dem kopf und ein weiches bett. warum bist du so undankbar?

 

wir haben eine umwelt  der gier- hauptsächlich wenn wir die medien befragen. dieses zerrbild verzerrt auch uns, unseren blick .

wir müssen wieder von uns selbst aus denken, vielleicht  lernen von dem, was uns gemäß ist, da ist das wort maß verborgen- was zu mir, meinen wirklichen bedürfnissen paßt.

 

den eigenen geist beobachten und lehren ist eine form des umgangs mit sich selbst, jesus hat von seinem geist als dem des trostes und der wahrheit gesprochen- der hilft mir. von mir selbst aus läßt sich meine welt kultivieren- im sinne von: bebauen. nachhaltigkeit wird von selbst ein thema, wenn ich meine mittel richtig einsetzen will- und das geht auch mit 1 euro: welche unternehmen unterstütze ich? will ich qualität? dann kann ich biokartoffeln und ei essen, brauche nicht das fertigmenü mit tierquälfleisch.

 

ich habe einmal beim spaziergang  zwei holzabfallstücke von einem bildhauer gefunden- eins sah aus wie einen fisch. da habe ich mir noch ein brotstück gesucht und seither liegen die 2 in einer antiken tonschale die ich aus dem sperrmüll gezogen habe- sie sind für mich das fische- und- brote- gleichnis.

 

dieses wunder jesu  war für mich immer das wunder des herzen- öffnens. gehst du in die wüste, nimmst du wegzehrung mit- wenn alle auf den tisch legen, was sie mitgebracht haben, werden alle  reichlich satt, selbst die die nichts mitbringen konnten. dieses teilen übe ich ein.

ich setze meine gabe ein. dinge kommen oft zu mir von denen ich weiß: die gehören woanders hin, dann sorge ich dafür. wenn ich sehe, das ist jemandes stil, bringe ich gern von meinen läden diakonie, rotkreuz, flohmarkt- geschenke  für freunde mit.

eine freundin hat mir ein luxus parfum geschickt das sie von der mutter ihres freundes gekriegt hatte- der duft war für sie zu schwer- ich habe gemerkt, daß es auch nicht meines ist und habe es weitergegeben- so vervielfältigt sich freude-

 

ich habe einen  traum von einer werkstatt, die mit menschen die keine ausbildung oder anstellung finden unter anleitung von  frewilligen, vielleicht  rentnern meine objekte herstellen, zum beispiel deckenlampen (billigst fassung, schrauben durch gewindestangen ersetzt, beschliffenes plexiglas in wolkenform) oder lichtkästen (metallbehälter für  überseetransport die abfall sind mit lochstanzungen verzieren, mit leuchteinheit ) oder kettenanhänger aus stocknägeln und bemalte und genähte stolas aus tüchern,

 

ich möchte mein erworbenes wissen, meine kompetenzen gerne teilen.

ich arbeite an einer ausgabe einer zeitschrift, die luxuriöse dinge zeigt, die in unserem land nicht mehr gebraucht werden, die weggeworfen, weggegeben wurden, die ich umgearbeitet oder genauso belassen habe. sie zeigt alles, was zu einem reichen leben gehört  und wie ich es mit minimalem geldeinsatz erlebe-  musik, kunst, mode, schönheit, literatur, reisen, lebensart .

 

es gibt einen vorabdruck davon im heft der internationalen künstlergemeinschaft das rad, die hier in münchen ihren sitz hat- habe ich mitgebracht!

wenn sie sich noch etwas zeit nach dem gottesdienst nehmen wollen- ich habe außerdem noch einige zeichnungen und acrylkreuze mitgebracht. ich lade sie ein, schauen sie sichs an! auch zum reden habe ich zeit!

 

ps – gedanken

einmal habe ich so bei mir gedacht;: wenn ich nichts mehr hätte, nur das gehör- und nur ein einziges musikstück- die mondscheinsonate- hören könnte, das wäre immer noch ein wunderbarer reichtum.

 

jesus hat gesagt: mir ist gegeben alle weisheit und erkenntnis- dieser reichtum ist  nicht zu überbieten. wir können nutznießer davon sein!

 

 

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